Hühner immer wieder einfangen, anstatt sich Zeit zu nehmen, um den Zaun zu reparieren. Mit dieser Metapher beschreibt Frank Schröder seine Rolle als Führungskraft und beantwortet damit die Frage, wie die Digitalisierung die Arbeit als Führungskraft aus seiner Sicht verändert.

Wenn Mülleimer ihren Füllstand melden und Wischroboter sich den Aufzug auf die passende Etage rufen, dann ist Digitalisierung in der Gebäudetechnik eingezogen. Nur ein kurzer Trend? Wenn es nach Frank Schröder geht, ist Building IoT die Zukunft, in der wir morgen arbeiten. Als Facility Manager ist er ganz nah dran am Thema Building. Intrinsisch motiviert, hat er sich auch mit dem Internet of Things (IoT) beschäftigt. In „seinem“ Gebäude bei Phoenix Contact setzt er globale Megatrends wie Industrie 4.0, Big Data und Data Analytics in der Gebäudetechnik um. Für diese Reihe plaudert er aus dem Nähkästchen.

Der Wandel der Zeit

Die Digitalisierung verändert nicht nur Produkte und Prozesse, sondern auch die Zusammenarbeit und das Zusammenspiel von Führungskräften und Mitarbeitern. Immer weiter, immer schneller – früher galt es, als Führungskraft über jegliche Fachkompetenzen zu verfügen. In der Breite und der Tiefe versteht sich. Der beste Spieler wurde zum Trainer.

Heute steht die Führungskraft hauptsächlich an der Seitenlinie, während sich die Mitarbeiter auf dem Spielfeld die Bälle hin und her spielen. Fachliche Detailkenntnisse rücken in den Hintergrund. Was zählt, sind Führungskompetenzen. Fachliche Verantwortlichkeiten liegen bei den Mitarbeitern, die Verantwortlichkeit für das Arbeitsergebnis aber weiterhin beim Chef. Voraussetzung dafür, dass diese Form der Arbeitsverteilung funktioniert, ist Vertrauen. Vertrauen zwischen den Mitarbeitern untereinander, vor allem aber Vertrauen vom Vorgesetzten ist die Grundlage für eine funktionierende Zusammenarbeit. Heute denke ich, dass ich diesen Weg schon viel eher hätte einschlagen sollen. Durch das „Loslassen“  sind auch die Mitarbeiter auf eine ganz andere Art und Weise neu motiviert.

Teamgespräch – Kommunikation als Führungskraft als Schlüsselelement

Vertrauen durch Kommunikation

Doch wie entsteht Vertrauen? Ganz einfach – durch Kommunikation! Kommuniziert wird dabei unmittelbar und auf Augenhöhe. Hierarchien verschwinden, das Statusdenken wird weniger. Was bleibt, ist das Team und die beste Lösung. Kommen wir zurück zu unserem Bild von der Fußballmannschaft auf dem Spielfeld: Das Tor schießt der Spieler auf dem Platz, den Sieg fährt die gesamte Mannschaft ein. Trainiert wird das Team bei mir in unseren Abteilungsrunden. 

Eingepacktes Geschenk
Das Geschenk der Woche

Im Facility Management treffen wir uns jeden Montag um 11 Uhr. Dabei wird wöchentlich rotiert, so ist jeder mal für die Moderation und Schwerpunktsetzung des Meetings zuständig. Auch was thematisiert werden soll, wird gemeinschaftlich festgelegt. Im Laufe der Woche können alle Mitarbeiter die Agenda befüllen. Besprochen werden die Aktivitäten, die wir uns als Team für die kommende Woche vorgenommen haben. Außerdem lassen wir gemeinsam die vergangene Woche Revue passieren. Was lief gut? Was hat noch Potential? Wir sprechen dabei vom „Top der Woche“ und vom „Geschenk der Woche“. Beide Punkte haben wir ganz bewusst in unsere wöchentliche Runde aufgenommen. Jeder kennt es von sich: Über Dinge, die schlecht gelaufen sind, spricht man ungern. Das wollten wir ändern. In unserer Abteilungsrunde betrachten wir Fehler bewusst als Geschenk, das wir gemeinsam auspacken und aus dem wir gemeinsam als Team lernen. Dieses Teilen von schlechten Erfahrungen bewahrt die Kollegen vielleicht vor dem gleichen Fehler.

Von Hühnern und Zäunen

Fürs Team, die Zusammenarbeit und das Vertrauen untereinander ist die Abteilungsrunde die wertvollste Stunde der Woche. Ich als Führungskraft muss dabei in den wöchentlichen Meetings dafür sorgen, dass im Rest der Woche alle im Team am gleichen Strang ziehen. Immer weiter, immer schneller, was kann noch optimiert werden? Ein ständiger „Changeprozess“. Gerade unter diesem Gesichtspunkt wird die hohe Bedeutung einer intern funktionierenden Kommunikationskultur deutlich.  Gemeinsam wollen wir effizienter werden. Im Team hatten wir Anfang des Jahres beschlossen, weniger im System, sondern mehr am System zu arbeiten. Was meine ich damit? Angenommen dem Bauern laufen immer wieder die Hühner davon. Er läuft die ganze Zeit hinterher und versucht die Hühner einzufangen. Genau das sollten wir nicht tun. Es wäre zwar ein kurzfristiges Erfolgserlebnis, würde aber nicht für langfristigen Erfolg sorgen. An dieser Stelle möchte ich meine Mitarbeiter befähigen, den Blick fürs Ganze nicht zu verlieren und Prozesse immer wieder zu hinterfragen. Ziel ist, nicht jedes Mal aufs Neue die Hühner einzufangen, sondern langfristig dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr abhauen. Dabei ist es die Aufgabe der Führungskraft, die Mitarbeiter im Team während dieses „Changeprozesses“ zu begleiten und zu motivieren.

Arbeit in unserer heutigen Welt ist ein ständiger Veränderungsprozess. Immer wieder gilt es, die Mitarbeiter auf neue Arbeitsweisen, Herangehensweisen und Situationen vorzubereiten und sie dafür zu begeistern. Damit mir das gelingt, bin ich auf das schon angesprochene Vertrauen angewiesen. Früher lag die fachliche Autorität bei der Führungskraft, heute ist es das einfühlsame Richtungsweisen. Garant für den Erfolg ist dabei das Vertrauen. Was ist eure Meinung? Hat sich die Rolle der Führungskraft in den letzten Jahren verändert? Worauf kommt es heute an? Ich freu mich auf euer Feedback.

Heute habt ihr mich als Führungskraft kennengelernt. Ihr wollt wissen, wie digital mein Zuhause ist? Dann schaut in meinen letzten Blog rein.

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2 Kommentare

  1. Frank Schröder

    Lieber Herr Schlichting, DANKE für das Feedback. Zu der Perspektive „Tennisschläger“, möchte ich nicht auf den nächsten Blog warten. Gerade in herausfordernden Zeiten gilt es, Führungsstärke zu zeigen. Da ist methodische Kompetenz gefragt, um die Spannungen zwischen Fußballspieler und Tennisspieler auf dem Spielfeld in eine positive Richtung (zum Tor hin) zu lenken. Gerade das Spiel dann zu drehen und aus dem Rückstand noch aufzuholen, lässt einen dann doppelt über den Erfolg freuen. Führungskraft zu sein ist nicht immer leicht, macht aber meistens Spaß.
    Einen schönen Dienstag! Digitale Grüße aus Bad Pyrmont.

  2. Jürgen Schlichting

    Die Metapher mit den Hühnern ist legendär! Das Führen auf Augenhöhe und die regelmäßige Abstimmung mit rollierenden Moderatoren ist gute Praxis und lässt keine Informationslücken aufkommen. Vielfach wird auch Doppelbearbeitung vermieden.
    Spannend wird die Geschichte, wenn in einem sonst guten Fußball Team doch einmal jemand
    -stimuliert durch externe Ereignisse- mit einem Tennisschläger auf dem Rasen erscheint.
    Wieder eine Metapher! Noch ein Blog?

    Herzliche Grüße
    Jürgen Schlichting

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