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Professor Bruno Hüsgen hat vor fast 40 Jahren angefangen, in Paderborn Maschinenbau zu studieren. Nach seiner Promotion war er als Ingenieur in der Produktion und Entwicklung tätig, unter anderem in Korea, Mexiko und mehreren Ländern Europas. Vor dreizehn Jahren entschloss sich Hüsgen, eine Professur an der FH Bielefeld im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik anzunehmen – mit aktuell mehr als 3.000 Studierenden einer der größten Zweige der Hochschule. Im Interview spricht Professor Hüsgen als Leiter des Studiengangs Maschinenbau darüber, wie sich die Voraussetzungen und Herausforderungen im Ingenieurwesen über die Jahre verändert haben – und weiter verändern werden.

Wie hat sich die Ausbildung an der Hochschule verändert, seit Sie selbst Student waren?

Da denke ich zunächst an den Zugang zum Studium. Als ich studierte, brauchte man Abitur oder Fachabitur. Heute ist das durchlässiger geworden. Sie können auch mit einem „Meister“-Abschluss oder einer fachspezifischen Ausbildung studieren. Theoretisch lässt sich sogar als Einzelhandelskaufmann mit Berufserfahrung nach einer speziellen Prüfung ein Studium zum Maschinenbauingenieur aufnehmen.

Auch die Titel haben sich geändert. Früher gab es „Dipl.-Ing.“ und „Dipl.-Ing (FH)“, und der größte Anteil der in Deutschland tätigen Ingenieure kam von den Fachhochschulen, etwa 70 Prozent. Heute werden Bachelor- und Masterabschlüsse sowohl an FHs als auch an Universitäten angeboten.

Nicht zuletzt sind die Studienzeiten kürzer geworden. Als ich studierte, waren zwölf bis 14 Semester akzeptiert. Heute werden beim Bachelor zwischen sechs und acht, beim anschließenden Master etwa drei bis fünf Semester erwartet. 

Hat sich auch die Struktur der Studierenden verändert? Gibt es heute mehr Vielfalt als früher?

Es gibt jedenfalls Ausnahmen, die früher nicht möglich gewesen wären. Ich denke da an eine junge Dame, die zuvor Erzieherin in einem Kindergarten war und bei uns erfolgreich Maschinenbau studiert hat. Oder an eine Betriebswirtin, die im Automobilbau einem technischen Bereich vorgesetzt wurde und daraufhin Maschinenbau studiert hat – einfach, um mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besser kommunizieren zu können. Also, es ist schon bunter, als es früher war.

Wie hat sich das Interesse an diesen technischen Berufen insgesamt entwickelt?

Maschinenbau ist ein Brot-Studium. Menschen, die das studieren, wollen mit dem Beruf ihre Familie ernähren. Es ist nicht so sehr ein Lust-Studium, das studiert man nicht nebenbei, in der Regel ist das Studium anspruchsvoll und eine Herausforderung. Und wenn in der Industrie viele Ingenieure gesucht werden, haben wir mehr Studierende. Werden weniger Ingenieure nachgefragt, brechen auch die Anfängerzahlen ein. Wir laufen da also etwas dem Industrietrend hinterher.

Welche Rolle spielen Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz heute in der Ausbildung von Ingenieuren?

Das sind auf jeden Fall wichtige Themen. Früher hat man in erster Linie versucht, beim Bau von Maschinen oder Anlagen das Optimum zwischen Kosten und Qualität zu erreichen. Aber da dreht sich die Welt natürlich heute schon anders. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind wichtige Kriterien bei der Entwicklung und Produktion von Produkten in verschiedenen Bereichen. Wir haben zwar kein eigenes Modul dazu – ich bin mir aber auch nicht sicher, ob es das überhaupt braucht, denn inhaltlich kommen diese Themen in den verschiedenen technischen Fächern immer wieder vor. Wir bieten zusätzlich auch Projekte zu Nachhaltigkeits- und Umweltthemen an.

Anmerkung der Redaktion: Wie man als Ingenieurin die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit mit dem Beruf verbinden kann, erzählt Marina Mönikes in einem Interview.

Wie lassen sich junge Leute für das Ingenieurwesen interessieren und begeistern?

Als ich anfing zu studieren, gab es zunächst einmal viele Semester nur Mathematik, Physik und weitere typische Grundlagenfächer. Einen Einblick in den Beruf bekam man erst viel später. Das machen wir heute ganz anders – es gibt zwar weiterhin Grundlagenfächer, aber wir haben im ersten Semester auch ein Modul zum Berufsbild. Dort berichten Industrievertreter und ehemalige Absolventinnen und Absolventen von ihrer praktischen Arbeit und zeigen auf, wie interessant und abwechslungsreich die Ingenieurtätigkeiten sind und welche Anforderungen an sie gestellt werden.

Die meisten jungen Menschen, die mit Maschinenbau anfangen, wollen zunächst Konstrukteur werden – aber mindestens die Hälfte davon macht nach meiner Erfahrung später etwas anderes im Ingenieurwesen, da gibt es so viele Möglichkeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die Ingenieurberufe nach wie vor für junge Leute wirklich interessante, zukunftssichere Perspektiven bieten.

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