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Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich vor der Berufswahl zu informieren und zu orientieren. In jedem Fall lohnt sich ein Blick auf die aktuell beliebtesten Ausbildungsberufe und Studiengänge. Es ist aber auch sinnvoll, aktuelle Statistiken und vor allem Prognosen zum Bedarf am zukünftigen Arbeitsmarkt abzuklopfen. So lässt sich ein Gespür dafür entwickeln, welche Laufbahnen gute Karrieremöglichkeiten bieten. Vorab nur soviel: Rein statistisch betrachtet sind technische Ausbildungsberufe und Studiengänge klar im Kommen, der Bedarf an Nachwuchskräften ist hier riesig.

Mit unserer Career-to-go-Reihe beleuchten wir verschiedene Karrierethemen für dich und geben hilfreiche Tipps für den Alltag in kompakter Form – quasi für unterwegs! In diesem Blogbeitrag zeigen wir euch ein paar Zahlen, die euch die Berufswahl erleichtern können.

Arzt, Anwalt, Feuerwehrmann, Krankenpfleger, Polizist, Wissenschaftler: Solche Berufe wünschen sich deutsche Eltern für ihre Kinder am meisten. Laut einer Statistik von 2020 finden sich unter diesen Top 10 gar keine „echten“ technischen Laufbahnen wie die des Ingenieurs – und das, obwohl in Deutschland Branchen wie Automotive, Elektrotechnik und Maschinenbau zu den weltweit konkurrenzfähigsten Wirtschaftszweigen gehören.

Großer Bedarf im technischen Bereich

„Made in Germany“ ist nach wie vor eine Weltmarke und ein Qualitätsversprechen, gerade im technischen Bereich. Dennoch wird hierzulande seit Jahren ein Fachkräftemangel beklagt, während die technische Industrie händeringend nach dem nötigen Nachwuchs sucht, um den gesunden Status Quo zu erhalten und in der Zukunft weiter auszubauen.

Der Bedarf ist aktuell bereits riesig, wie einige Statistiken zu technischen Berufen deutlich machen: Im Jahr 2021 gibt es allein bei den Maschinen– und Fahrzeugtechnikberufen und in der Mechatronik jeweils 45.000 unbesetzte Stellen. In der Metallbearbeitung waren es 47.000, in Verkehr und Logistik 61.000.  

Im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) bestehen derweil rund 195.000 freie Stellen für Fachkräfte – in der Regel Ausbildungsberufe – sowie 44.000 offene Positionen für sogenannte Spezialisten, also zum Beispiel Meister. Die Prognose lautet, dass bis 2033 jedes Jahr im Schnitt rund 280.000 Stellen nachbesetzt werden müssen. Für den akademischen Bereich sind es im selben Zeitraum jährlich rund 200.000 Stellen.

Ausbildung und Studium: die deutschen Favoriten

Soweit die Soll-Seite. Und wie sieht es auf der Haben-Seite aus? Auf den ersten Blick gar nicht so schlecht: Unter den am stärksten vertretenen Ausbildungsberufen von Männern in Deutschland im Jahr 2020 stehen Kraftfahrzeugmechatroniker, Fachinformatiker, Elektroniker und Anlagenmechaniker auf den ersten Plätzen, erst dahinter kommen kaufmännische Berufe. Bei den Frauen liest sich die Liste noch mal anders – hier finden sich gar keine technischen Laufbahnen unter den Top Ten der beliebtesten Ausbildungsberufe. 

An den deutschen Hochschulen bietet sich hinsichtlich technischer Karrieren nur ein wenig besseres Bild, wie eine weitere Statistik zeigt. Zwar steht Informatik mit insgesamt 127.000 Studierenden auf Platz zwei unter den beliebtesten Studienfächern – allerdings mit großem Abstand zum Spitzenreiter Wirtschaftswissenschaften, was von fast doppelt so vielen Menschen studiert wird. Erst auf Platz vier steht Maschinenbau mit 104.000 Studierenden. Die letzten beiden Plätze unter den Top Ten belegen das Wirtschaftsingenieurwesen mit 70.000 und schließlich die Elektrotechnik mit 67.000 Studierenden.

Interessen und Chancen als Motivation

Ein interessanter Aspekt zeigt sich in der Untersuchung der Motivation, sich für das jeweilige Studienfach einzuschreiben: In einer Umfrage unter 2.000 Studierenden von 2020 geben über 90 % der Befragten „Persönliches Interesse/Hobby“ als wichtigstes Motiv an. Erst knapp dahinter folgen die Argumente „Gute Jobchancen/Berufsaussichten“, „Gute Verdienstmöglichkeiten“ und „Karrierechancen“ mit jeweils über 80 % der Befragten. Finanzielle Motive stehen also bei der Auswahl für ein bestimmtes Studium offenbar nicht an allererster Stelle, sind aber natürlich wichtig.

Auch hier gibt es schlagende Argumente, sich für ein technisches Studium zu entscheiden – gegenüber den eingangs genannten Wunschkarrieren von Eltern für ihre Kinder schneiden die technischen Berufe in puncto Einstiegsgehalt nach der Hochschule ziemlich gut ab. In einem Ranking von karrierebibel.de stehen die Jahres-Einstiegsgehälter in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen, Ingenieurwissenschaft, Mathematik und Informatik sowie Wirtschaftsinformatik noch vor zum Beispiel den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

Die Azubis in den technischen Berufen stehen ebenfalls richtig gut da. Auszubildende in den technischen Berufen erhalten ein ordentliches Gehalt, das andere Branchen locker übertreffen kann. So verdienen Mechatroniker, Maschinen- und Anlagenführer oder auch Industrieelektriker bereits im ersten Lehrjahr im Schnitt einige Hundert Euro mehr als zum Beispiel Kaufleute.

Deutsche Technik: Hohes Ansehen in der Welt 

Um auf die eingangs erwähnten Eltern und ihre Wunschberufe für die eigenen Kinder zurückzukommen: Die Verdienst- und Karrieremöglichkeiten in den technischen Berufen können durchaus eine Motivation darstellen, sich mit diesem Feld näher zu beschäftigen. Letztlich sind diese Laufbahnen auch nicht weniger angesehen als zum Beispiel die von Anwälten oder Polizisten – und tragen nicht zuletzt wesentlich dazu bei, dass „Made in Germany“ auch weiterhin eine international zugkräftige Wirtschaftsmarke bleibt. 

Übrigens: Eine informative und lebensnahe Möglichkeit, die eigenen Vorlieben und Chancen einer potentiellen Karriere in den technischen Berufen individuell abzuklopfen, bietet unser Berufswahl-Check, der vor kurzem durch zwei unserer Dualen Studenten während ihrer Ausbildung bei Phoenix Contact entwickelt wurde. Lest dazu auch gerne diesen Beitrag: Welcher Beruf darf es sein?

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