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Die Welt dreht sich immer schneller und wird immer komplexer. Neue Situationen auf den Einkaufs- und Absatzmärkten, im Technologiebereich, auf der politischen Weltbühne fordern neue Wege. Auch Phoenix Contact hat sich auf den Weg gemacht. Das Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben, mit Innovationskraft und Know-how eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. Der Bedarf für neues Denken, für neue Organisationen, für neue Werkzeuge – mithin für neues Arbeiten bzw. New Work ist formuliert.

Wir haben mit Nina Mrugalla, Senior Director People & Culture bei Phoenix Contact, und Swantje Allmers, Co-Gründerin und CEO der New-Work-Beratung NWMS GmbH sowie Co-Autorin des Buchs „On the Way to New Work“ über die spannende Reise hin zu neuem Arbeiten und das passende „Reisegepäck“ gesprochen.

Im ersten Teil des Interviews entzaubern wir den hippen Begriff New Work. Wir zeigen auf, wie ihn Phoenix Contact als „Zukunft der Arbeit“ definiert. Im zweiten Teil des Interviews skizzieren wir die Auswirkungen des Wandels auf die Führungskultur und wie Führung, Diversität und gesellschaftliche Verantwortung bei Phoenix Contact zusammenhängen.

New Work – Warum ist es momentan die angesagte „In-Destination“ für alle?

Swantje Allmers: Weil Unternehmen sich heutzutage anders aufstellen müssen. Die Anforderungen von außen erfordern flexibleres, schnelleres und kundenorientierteres Handeln auf allen Ebenen. Wer erfolgreich sein will, muss sich damit auseinandersetzen.
Die Herausforderung: Hierarchische Organisationen, Silodenken und -arbeiten können die steigende Komplexität immer weniger händeln. 10-Jahres-Strategien, Top-Down-Planungen, lange Entscheidungswege etc. kosten zu viel Zeit und verschwenden vor allem die Talente und Potenziale im Unternehmen.
Die Grundidee von New Work ist, Arbeit zu etwas zu machen, das die Menschen stärkt. Und das schließt auch ein, dafür zu sorgen, dass Menschen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen optimal entfalten können. Und ihnen zu vertrauen, sie also auch mit den Kompetenzen auszustatten, Entscheidungen selbst zu treffen.
Für mich bedeutet New Work besseres Arbeiten und damit erfolgreicheres Arbeiten. 

Nina Mrugalla

Nina Mrugalla: Ich sehe New Work als zukunftsgerichteten Prozess des Wandels, der unsere bisher erfolgreichen Führungsmodelle auf eine neue Stufe heben kann. Ich würde deshalb eher von einem Weg in die „Zukunft der Arbeit“ sprechen. Es ist für uns eigentlich nichts Neues: Innovation in allen Bereichen ist für Phoenix Contact schon immer die treibende Kraft. Wenn es uns jetzt gelingt, diesen Wandel aktiv zu gestalten, werden wir in Zukunft noch erfolgreicher sein.
Dabei helfen uns Stabilität und Sicherheit. Das sind typische Phoenix Contact-Eigenschaften, die auch weiterhin eine große Rolle spielen. Vor allem wenn wir sehen, wie groß Phoenix Contact mittlerweile ist – wie international, wie unterschiedlich, divers und vielschichtig. Und täglich bereichern neue Menschen diese Firma. Das erfordert neue Strukturen, die das ganze Potenzial dieser Vielfalt aktivieren und nutzen können. Damit sind wir schon bei New Work: aus der fachlichen Organisationsstruktur herauskommen, Silos aufbrechen, Hierarchien flacher machen, die Durchlässigkeit des Systems erhöhen. Und: Bei allem, was wir tun, an das konkrete Thema bzw. an die Aufgabenstellung des Kunden denken. So werden wir in Zukunft noch erfolgreicher sein.
Ein solches Konzept wird jedem größere Freiräume ermöglichen. Es funktioniert jedoch nur, wenn alle ein Gefühl von Sicherheit haben. Das entsteht, wenn wir uns gegenseitig vertrauen. Vertrauen und Mut sind die Schlüssel, die uns diese Räume öffnen. 

Wo befindet sich Phoenix Contact auf diesem Weg?

Nina Mrugalla: Die Reise wird extrem anspruchsvoll und herausfordernd. Aber auch spannend und großartig.
Wir sind da nicht so schlecht unterwegs. Vieles von dem, was es für den Wandel braucht, ist bereits in unserer DNA begründet. Wir haben von Haus aus eine Unternehmenskultur, in der man sich viel zutraut und zugewandt ist, in der man freundlich und respektvoll miteinander umgeht sowie grundsätzlich gute Absicht unterstellt. Damit sind wir von dem, was andere als New Work bezeichnen, gar nicht so weit weg. 

Swantje Allmers: Wichtig ist, dass man für diese Reise die Leute im Unternehmen mitnimmt, was auch Dinge ausprobieren bedeutet. Der Wandel funktioniert nicht von heute auf morgen. Deshalb rate ich Unternehmen, die Einführung neuer Arbeitsweisen als einen iterativen Prozess zu betrachten, der auch die bestehenden Erfolgsmuster im Unternehmen einschließen sollte. Denn New Work bedeutet ja nicht, dass alles, was bisher gemacht wurde, plötzlich schlecht sein muss – ganz im Gegenteil. Meistens gibt es sehr viel, auf dem man aufbauen kann.

Welche einzelnen Etappen sind zu meistern, wenn man die Zukunft der Arbeit gestalten will?

Nina Mrugalla: Die Kraft für den Wandel liegt in uns allen, in jedem Einzelnen. Wir brauchen diese Energie nur aktivieren. Das funktioniert nicht, wenn ich im Büro sitze und sage: „Wann kommt das denn endlich mit der Zukunft der Arbeit?“ Das müssen wir ablegen. Es ist ganz einfach: Wenn man immer wieder überlegt: „Was kann hier mein Beitrag sein?“, dann entsteht die Dynamik für den Wandel automatisch.

Swantje Allmers: Aus meiner Sicht sind es drei große Meilensteine. 
Erstens, es fängt bei mir selbst an. In kurz: Wer bin ich, was kann ich und was will ich? Und natürlich auch wie arbeite ich und was möchte ich beitragen?
Der zweite Aspekt umfasst die Zusammenarbeit. Führung ist hier ein großer Hebel. Gute Führungskräfte sind in der Lage, ihre Leute zu motivieren, zu befähigen und Zusammenarbeit im Team gut zu gestalten. Das ist eigentlich nichts Neues, nur, dass Selbstverantwortung und Selbstorganisation in unserer heutigen (viel dynamischeren) Welt noch wichtiger geworden sind.
Der dritte Punkt ist: New Work hat auch einen gesellschaftlichen Anspruch. Wir brauchen eine bessere, nachhaltigere, neue Art des Wirtschaftens, um unsere gesellschaftlichen Herausforderungen zu lösen. Und da sehe ich uns alle ebenso wie Unternehmen und die Politik in einer gemeinsamen Verantwortung. 

Wie kann das aussehen?

Swantje Allmers

Swantje Allmers: Wir haben zum Beispiel nur noch zehn Jahre Zeit, um den Klimawandel aufzuhalten – zumindest müssen wir in der Zeit sehr wesentliche Weichen stellen. Es braucht hierfür alle Beteiligten. Und ich bin der Überzeugung, dass New Work einen wichtigen Beitrag hierzu leisten kann, weil es Menschen und Unternehmen befähigt, neue Wege zu gehen.
Ich bin sicher, dass Unternehmen, die auf diese Weise in ihre Mitarbeitenden und in die Gesellschaft investieren, auch wirtschaftlich erfolgreich sein werden – das ist kein Widerspruch, ganz im Gegenteil, denn hier entstehen gerade viele neue Chancen und Geschäftsmodelle.

Nina Mrugalla: Ich sehe das genauso. Mit diesem Ansatz bekommt das Thema „Zukunft der Arbeit“ eine zusätzliche Dimension und Qualität. Plötzlich ist es uns möglich, mit der ganzen Organisation darauf zu reagieren, was da draußen passiert. So wird aus einem hippen Schlagwort etwas Relevantes.
Auch diesen Schritt sind wir bei Phoenix Contact schon gegangen. Denn wir sind mittlerweile so groß, dass unser Handeln Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Mit dem Zielbild der All Electric Society ist das Thema Nachhaltigkeit in das Zentrum unseres Geschäftsmodells gerückt. Wir haben die Verantwortung und wir werden es am Ende auch schaffen, mit unserer Arbeit zu einer lebenswerteren Welt beizutragen. 

Die Reise in die Zukunft der Arbeit hat für Phoenix Contact also begonnen. Welche konkreten Beispiele gibt es?

Nina Mrugalla: Wir können feiern, dass wir es in den vergangenen zwei (Corona-)Jahren geschafft haben, maximal arbeitsfähig zu sein. Neue Tools und Konzepte haben uns da definitiv wirksame Handlungsoptionen gegeben. Und obwohl wir keinerlei Erfahrung hatten, haben wir uns auf dieses krasse Experiment eingelassen. Was uns geholfen hat, ist das gegenseitige Vertrauen, das unsere Firma auszeichnet.
Zum Beispiel gestalten wir an verschiedenen Stellen Büroräume um. Wir haben uns neue Arbeitszeitmodelle angewöhnt. Wir nutzen die Möglichkeiten von Remote Work viel mehr. Ortsunabhängiges Arbeiten ist mittlerweile Normalität. Unsere Diskussionskultur hat sich geändert, die Offenheit, in der wir miteinander umgehen. Mit LinkedIn Learning können alle ihre Schulungen selbstständig machen und sich individuelle Trainings zusammenstellen.
Oder der Newsroom. Mehr als 40 Menschen arbeiten gemeinsam daran, unsere Phoenix Contact-Story zu erzählen. Durch den Newsroom entstehen neue kreative Ideen, Konzepte und Inhalte, auf die einer allein nicht gekommen wäre. Und es macht allen enorm viel Spaß.
Die „Zukunft der Arbeit“ darf sich nicht nur in der Bürowelt abspielen. Deshalb haben wir beispielsweise das Projekt „Digitale Teilhabe“ gestartet. Es wird unsere Mitarbeitenden in der Produktion als „Intranet für das eigene Handy“ an den digitalen Informationsfluss anbinden.
Mit dem Gebäude 60 folgt folgt in Blomberg außerdem ein Neubau mit einer Nutzfläche von rund 18.500 Quadratmetern, das nachhaltig und auch auf der Basis „Zukunft der Arbeit“ entwickelt wurde. Das Gebäude wird 400 Arbeitsplätze sowohl in der Produktion als auch in der Logistik und im Büro beherbergen.

Es passiert sehr viel. Wie geht es weiter?

Nina Mrugalla: Aus meiner Sicht sollten wir noch mehr aufzeigen, dass der Wandel, der bevorsteht, ganz neue Handlungsoptionen eröffnet. Und wir sollten den Mut haben, damit einfach praktisch und themenorientiert zu beginnen.  Wenn wir uns dabei immer wieder fragen: „Wie komme ich auf die besten Ideen? Wie gestalte ich Innovationen?“, kommt der Erfolg ganz sicher. Und wenn wir dann hinterher sagen: „Übrigens, das nennt man auch New Work“, werden alle sagen: „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir nicht so einen Kopf gemacht.“

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