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Die Forderung nach Empathie und empathischer Führung von Mitarbeitenden ist seit einiger Zeit ein häufig aufgegriffenes mediales Thema. Was ist dran an der Empathie? Welche Bedeutung hat sie für die Führung? Wir sprachen darüber mit jemandem, der es wissen muss: Dr. Michael Brenker, Experte für Führungskräfteentwicklung bei Phoenix Contact.

In der Reihe „Führung im Fokus“ beschäftigen wir uns mit aktuellen Themen rund um die Aspekte Führung und Zukunft der Arbeit. In dem Maß, in dem Teams immer agiler und selbstbestimmter werden, verändert sich sowohl der Umgang der Teams miteinander als auch der Mitglieder untereinander. Mit dem steigenden Grad individueller Kommunikation erlebt eine ganz klassische menschliche Fähigkeit eine Renaissance: die Empathie. 

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia definiert: „Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.“ Klingt so, als ob das zum psychologischen Werkzeugkasten eines jeden Menschen gehören sollte. 

Für den umstrittenen, aber zweifellos legendär innovativen Automobilpionier Henry Ford stand jedenfalls fest: „Das Geheimnis des Erfolgs ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen.“ Empathie ist also offenbar eine wichtige Fähigkeit – das bestätigt auch der Psychologe Dr. Michael Brenker: „Empathie ist eine im täglichen Miteinander notwendige Voraussetzung, um erfolgreich arbeiten zu können.“ 

Was will ich vermitteln? 

Empathie ist auch bei der Führung von Menschen eine tragende Säule. Michael Brenker: „Führung bedeutet, dass ich über kommunikative Akte versuche, den Angesprochenen Orientierung zu geben. Dazu wähle ich eine Sprache, die passt. Ich stelle mich auf die Argumente der angesprochenen Person ein. Das gilt für alle und immer, ob auf Managementebene oder im Bereich der Produktion. Die Ergebnisse der Überlegungen werden sich vermutlich unterscheiden: Ein anderes Sprachregister, eine andere Tonalität. Aber die Absicht des Kommunikators ist stets dieselbe.“ 

Wo befinde ich mich, wo steht mein Gegenüber?

Die Form der Ansprache folgt der Erkenntnis aus der Empathie heraus. Brenker: „Man stellt sich die Fragen: Was glaube ich, wo sich mein Gegenüber gerade befindet? Welche Botschaft habe ich? Was will ich mit der Kommunikation erreichen? Was erwartet das Gegenüber? Das Einlassen auf die Erwartung des Gegenübers ist der Empathievorgang. Das gilt für alle und sollte von einem Vorarbeiter in der Produktion ebenso wie von einem CEO geleistet werden.“ 

Ist für Führungskräfte Empathie besonders wichtig? „Führungskräfte kommunizieren oft mit einem Statement zu mehreren Empfängern“, erläutert der 37-Jährige. „Da hat die Frage ‚Wen adressiere ich wie?’ besondere Relevanz. Schließlich sind wir nicht alle gleich. Eine Nachricht kann bei einer Person so, bei einer anderen aber anders und bei einer dritten nochmal anders ankommen.“ 

Eine Führungskraft müsse all diese Perspektiven nicht immer berücksichtigen, den Vorgang aber verstanden haben. „Es ist wichtig zu akzeptieren, dass Kommunikation nicht immer im ersten Anlauf klappt. Bei schwierigen und unternehmensstrategischen Themen oder gravierenden Entscheidungen zum Arbeitsumfeld kann ich davon ausgehen, dass es nicht gelingt, mit der ersten Kommunikation gleich alle abzuholen. Also ist es nötig, sich alternative Kommunikationsansätze zu überlegen“, so der Experte. 

Dr. Michael Brenker
Dr. Michael Brenker ist Experte für Führungskräfteentwicklung bei Phoenix Contact.

Wie erreiche ich mein Gegenüber am besten? 

Oft reiche zum Beispiel die klassische allumfassende E-Mail nicht. Manche Menschen müssen im persönlichen Gespräch informiert werden. Bei der Entscheidung E-Mail, Telefonanruf oder persönlicher Besuch spiele dann natürlich in der Regel Empathie eine Rolle und die Fragen: Was glaube ich, was bei dieser Person am besten ankommt? Wie kann ich optimal eine Verbindung herstellen? 

Michael Brenker: „Zuerst muss man genau beobachten. Ich kann meine eigene, aber auch eine andere Persönlichkeit anhand bestimmter Eigenschaften beschreiben. Zum Beispiel kann das Wissen darüber, ob eine Person eher extrovertiert oder introvertiert ist, dabei helfen, abzuschätzen, ob bestimmte Aufgaben, etwa ein Vortrag vor einem großen Publikum, gut oder weniger gut bei dieser Person ankommen.“ 

Wie sieht mein Gegenüber mich? 

„Die Idee, dass es wichtig ist, sich mit anderen Menschen zu beschäftigen und zu verstehen, was sie bewegt, war schon immer gut“, erklärt der Psychologe: Um Mitarbeitende zu diesem Prozess zu motivieren, gibt es Trigger. Michael Brenker nennt beispielhaft das Mentoring. „Dabei werden langjährige Mitarbeitende mit neuen Mitarbeitenden zusammengebracht, denen sie etwas über die Aufgaben und Tätigkeiten erzählen und deren Fragen sie beantworten sollen.“ 

Daraus ergibt sich idealerweise ein Gespräch, das natürlich auch dem alten Hasen neue Rückmeldungen gibt und eine andere Perspektive auf sich selbst eröffnet. Und plötzlich gibt es neue Perspektiven. Michael Brenker: „Das kann den Effekt haben, dass sich der Mentor darüber bewusst wird, dass eine dritte und vierte Person nochmal andere Sichten auf ihn haben. Und dass es sich lohnt, sich auch mit anderen auf dieser Ebene auseinanderzusetzen.“ 

Empathie und emotionale Intelligenz sind immer Elemente von erfolgreicher Führung. Aber auch von erfolgreicher Zusammenarbeit. Dr. Michael Brenker: „Konflikte können immer auftreten, egal ob man jetzt Führungskraft ist oder sich innerhalb eines agilen Teams bewegt. Empathie ist ein wichtiger Bestandteil des emotionalen Rüstzeugs, um durch eine konfliktreiche Situation zu kommen. Sie ist ein soziales Schmiermittel, das hilft, Interaktionen reibungsloser ablaufen zu lassen.“ 

Mit dieser kurzen Checkliste aus fünf einfachen Punkten könnt ihr euer Empathieverhalten regelmäßig reflektieren und euch empathischer auf die Kommunikationssituation einstellen: 

· Nicht alle sind gleich. Menschen sind verschieden. 

· Nicht jeder Kanal ist für jede Botschaft, jeden Empfangenden gleich gut geeignet. 

· Jede Botschaft kann unterschiedlich verstanden werden. 

· Es lohnt sich nachzufragen, was beim Gegenüber angekommen ist. 

· Und: Kommunikation klappt nicht immer beim ersten Mal. Bleibt geduldig und am Ball.

Mehr zum Thema Führung bei Phoenix Contact findet ihr hier.

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