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Wenn von Führung die Rede ist, ist damit häufig das Führen von Menschen und Gruppen innerhalb hierarchischer Strukturen eines Unternehmens gemeint. Doch wie sieht Führung aus, wenn eine Person insgesamt 18 Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung steuern muss? Anja Moldehn ist so eine Person. Sie ist Netzwerkerin, Spezialistin für den digitalen Zwilling, Mutter, Vermittlerin, Digitalisierungsexpertin und die Geschäftsführerin des Centrum Industrial IT – kurz CIIT – in Lemgo. In diesen Rollen geht sie gemeinsam mit ihren Partnern der Frage nach: Wie kann das Thema Industrie 4.0 ganzheitlich betrachtet werden? Welchen Herausforderungen sie dabei begegnet und warum Technologie nicht immer die Lösung ist, das lest ihr hier.

Ihre erste Begegnung mit dem Thema Industrie 4.0 hatte Anja Moldehn „vor vielen Jahren auf der Hannover Messe“, erinnert sich die Geschäftsführerin des CIIT. „‚Wow‘ habe ich gedacht, so ein tolles Thema und so schlecht umgesetzt“, lacht sie. Von da an war es ihr Thema. Zunächst bei uns bei Phoenix Contact – ihrem damaligen Arbeitgeber. In den unterschiedlichsten Projekten und Bereichen hat sie das Zukunftsprojekt zur umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion getrieben. Bis sie hier im wahrsten Sinn des Worts an die Unternehmensgrenzen gestoßen sei. „Ich habe erkannt, dass eine ganzheitliche Betrachtung und ein echter Mehrwert für alle Menschen nur übergreifend und in Zusammenarbeit mit Forschung und Technik möglich ist“, beschreibt sie ihren Weg zum CIIT vor rund eineinhalb Jahren. Doch nicht nur das Leitbild der vierten industriellen Revolution treibt sie an, das Thema größer zu denken. Ihre Motivation hat einen viel tieferen Ursprung: „Um eine lebenswerte Welt für uns alle zu sichern, ist Technologie die einzige Lösung“, so Anja Moldehn. Schließlich könne man nur gemeinsam starke Ideen und innovative Lösungen realisieren – und damit die Zukunft unseres Lands erfolgreich gestalten. 

Impulse auf Augenhöhe

Daher kommen im CIIT alle Expertinnen und Experten zusammen, die für Innovation stehen und von dem umfassenden Technologie- und Wissenstransfer profitieren. Die enge Zusammenarbeit wird durch Austausch, Kommunikation und einen vertrauensvollen Umgang miteinander geprägt. Und hier begegnet Anja Moldehn auch der größten Herausforderung in Sachen Führung: „Eine Hochschule arbeitet anders als ein Konzern, ein Konzern arbeitet anders als ein Start-up und ein Start-up arbeitet anders als ein Institut.“ Der Spagat zwischen klassischem Projektmanagement und dynamisch-agilen Sprints kann aufreibend sein. Die Teams machen es ihr jedoch einfach: „Hier arbeiten Menschen, die Technologie lieben und die innovationsgetrieben sind, das ist unser großer Vorteil“, resümiert sie. Ihr Ziel sei es, alle Beteiligten auf Augenhöhe zusammenzubringen und Impulse zu geben: Netzwerken, verstehen, zuhören, vermitteln und motivieren – all diese Fähigkeiten nutzt Anja Moldehn in ihrer Führungsverantwortung.

Anja Moldehn
Geschäftsführerin des CIIT Lemgo: Anja Moldehn

Konzern vs. Start-up?

Führung im Sinne von „individuellen Zielen“ brauche es ihrer Meinung nach nicht mehr. Einem Start-up müsse man nicht sagen, was es tun soll, „das wissen die Leute ganz genau“. Unternehmen und Konzerne müssen mehr verstehen und ihre starren Führungsstrukturen aufbrechen – quasi loslassen und Freiräume ermöglichen. „Nur so können beide Seiten voneinander profitieren und wertvolle Ideen entstehen lassen“, erläutert sie und führt fort: „Unternehmen müssen sich die Frage stellen, wie sie ein Start-up integrieren können, ohne es mit einem Kauf und einem Überstülpen der eigenen Konzernstrukturen zu zerstören. Denn das ist nicht Sinn der Sache.“

Führung ist Netzwerken

Wie genau sieht Führung für Anja Moldehn aus? Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Teams dann erfolgreich sind, wenn die richtigen Personen Lust auf ein Thema haben, sich finden und selbständig zu einer Arbeitsgruppe formieren. „Führung fällt dann weg, weil alle Teammitglieder von innen heraus motiviert sind und alle an einem Strang ziehen.“ Natürlich brauche es ein übergreifendes Zielbild und einen gewissen Führungsrahmen, aber im Grunde sei Führung mehr ein Netzwerken: Einfach die richtigen Leute zusammenbringen. 

Der Mensch als wichtigster Faktor 

Immer wieder spricht die studierte Elektrotechnikerin voller Begeisterung von den vielfältigen Möglichkeiten der Technologie. „Es ist eigentlich alles da – von Produkten, Standards und dem Know-how – alles liegt auf dem Tisch“, sie zieht die Augenbrauen hoch, „und jedes Mal überrascht es mich, wie wichtig und langwierig Kommunikation ist.“ Menschen möchten verstanden, gesehen und respektiert werden. Vor allem möchten sie dort abgeholt werden, wo sie stehen. Und daher dürfe man die gemeinsamen Gespräche nicht unterschätzen. „Manchmal droht ein ganzes Projekt zu scheitern, weil sich eine Person nicht genug mitgenommen fühlt“, stellt sie fest und spricht von einem Learning: „Ich bin hierhergekommen mit dem Thema Daten. Doch zuerst kommt der Mensch, dann die Daten.“ 

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