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Springt der Funke bei einem Date über, dann bedeutet das sprichwörtlich nur Gutes. Eher schlecht läuft es, wenn die Funken nach einem Kurzschluss sprühen, denn das kann Lebensgefahr bedeuten. Seit über zwei Jahren ist Torsten Hoffmann für Phoenix Contact unterwegs und berät Verbände sowie Bildungseinrichtungen hinsichtlich der Richtlinien zur Anwendung von Überspannungsschutzmaßnahmen. Warum der Funke für seinen Job übergesprungen ist und warum das Thema alles andere als kompliziert ist, darüber spricht der gebürtige Sauerländer in unserem Interview.

Überspannungsschutz stellt auf den ersten Blick eine komplizierte Angelegenheit dar, die mit zahlreichen Fragen verbunden ist: Warum ist Überspannungsschutz wichtig? Welche Ursachen haben Überspannungen? Wie installiere ich ihn korrekt und was muss ich dabei beachten? Dass Überspannungsschutz gar nicht kompliziert sein muss, zeigen wir in unseren Artikeln rund um das Thema Überspannungsschutz.

Torsten, wie bist du zum Thema Überspannungsschutz gekommen?

Nach meiner Ausbildung zum Energieelektroniker bin ich im Studium der Elektrischen Energietechnik das erste Mal mit Blitz- und Überspannungsschutz in Berührung gekommen. Das Thema hat mich schnell gefangen und nach meiner Diplomarbeit zur Entwicklung eines Blitzstromableiters auf Basis von multiplen Graphit-Elektroden habe ich verschiedene Aufgaben bei namhaften deutschen Herstellern von Blitz- und Überspannungsschutzgeräten übernommen.

Ich war vom technischen Vertrieb bis zum Produktmanagement tätig und konnte hierbei sehr gut die Anforderungen der Anwenderinnen und Anwender aufnehmen. Auf der anderen Seite durfte ich aber auch die technischen Herausforderungen von der Entwicklung bis zur normgerechten Prüfung und Markteinführung von neuen Blitzschutzbauteilen und Überspannungsschutzgeräten erleben. Heute kann ich als Business Development Manager auf diesen Erfahrungen aufbauen und gebe mein Wissen gern an unsere Kunden weiter.

„Einen energiereichen Blitzstrom durch geeignete Schutzgeräte zerstörungsfrei zu beherrschen – das ist ein beeindruckendes Erlebnis und für mich bis heute faszinierend.“

Torsten Hoffmann

Wie kann Überspannungsschutz zu einer nachhaltigeren Welt beitragen?

Die Entwicklung unserer Welt zur All Electric Society hält auch beim Thema Überspannungsschutz nicht an. In Zukunft werden wir elektrisch alle Arten der Energie erzeugen beziehungsweise wandeln können. Heutzutage decken wir einen Großteil unseres Energiebedarfs durch regenerative Energien ab. Hierbei nutzt man Sonne, Wind oder die Gezeiten der Meere sehr erfolgreich und speist die Energie in unser Stromnetz ein. Auch in den privaten Wohnungen können wir den Energieverbrauch digital überwachen und den Verbrauch zum Beispiel für Wärme und Licht steuern. Die nahtlose Verfügbarkeit von elektrischer Energie- und Datentechnik wird bereits heute vorausgesetzt. Daher ist der Überspannungsschutz sehr wichtig für nachhaltige Energie und spielt somit eine wesentliche Rolle für eine nachhaltige Welt.

Das bedeutet, Überspannungsschutz ist wichtiger denn je?

Unbedingt! Durch die fortschreitende Elektrifizierung und Digitalisierung unseres beruflichen und privaten Alltags entsteht eine gewisse Abhängigkeit. Smarte Systeme können durch Störungen wie Überspannungsimpulse durch nahe und ferne Blitzeinschläge, aber auch durch leitungsgebundene Überspannungen gestört oder sogar zerstört werden. Ausfälle sind hierbei im privaten Bereich oft ein ärgerlicher Verlust von Komfort. Die Konsequenzen im gewerblichen und industriellen Bereich können schnell auch hohe finanzielle Verluste bedeuten. Hierbei ist oft der Schaden an der Hardware deutlich geringer als zum Beispiel die Kosten bei einem Produktionsausfall. Der normativ geforderte Überspannungsschutz am Speisepunkt wird in der Regel im Zählerschrank eingesetzt. Zur Sicherung der Verfügbarkeit und zum Schutz der elektrischen Bauteile ist zusätzlicher Überspannungsschutz für die Kommunikationstechnik und auch bei langen Leitungen notwendig.

Warum ist Überspannungsschutz dann so kompliziert?

Überspannungsschutz ist nicht kompliziert! Jede Technologie hat gewisse Bedingungen, die ich beachten muss. Die Basis für jedes Überspannungsschutzkonzept ist jedoch einfacher Potentialausgleich. Wird die Spannung für meine elektrische Anlage und deren Komponenten auch nur für einen Bruchteil einer Sekunde zu hoch, muss ich diese auf einen sogenannten Schutzpegel begrenzen. Die Anlage und die Komponenten haben sozusagen eine Immunität gegenüber kleinen Überspannungsimpulsen. Ab diesem Punkt übernehmen die Überspannungsschutzgeräte ihren wichtigsten Job. Sie überwachen die Spannung und können blitzschnell reagieren, bevor es zum Kurzschluss oder Ausfall kommt. Überspannungsschutz reagiert, bevor etwas passiert! Wie ein Airbag im Auto wird eine Gefahr erkannt und dann innerhalb von Nanosekunden reagiert. Jetzt kommt aber ein entscheidender Unterschied, denn nach der Produktnorm geprüfte Überspannungsschutzgeräte können über 20-mal reagieren, ohne dass ein Schaden oder Ausfall des Schutzgerätes entsteht. Die vermeintliche Komplexität steckt in der Auswahl der Produkte und der Normen. Damit sowohl diese als auch die vorhandenen Hilfsmittel bekannt sind, unterstütze ich Verbände und Bildungsinstitute bei Schulungen und Seminaren. Im Rahmen der Meisterschule stelle ich die normativen Forderungen und Empfehlungen vor und anhand von Mustergeräten zeige ich den zukünftigen Meisterinnen und Meistern sowie Installateurinnen und Installateuren praktische Lösungen für einen sicheren Einsatz.

Und was bedeutet Sicherheit für dich persönlich?

Sicherheit ist mir sehr wichtig. Schließlich ist Sicherheit eines der größten Bedürfnisse der Menschen. Für mich ist Sicherheit eng verbunden mit einem Schutzsystem, das eine vorbeugende Maßnahme darstellt. Hierdurch werden auf den ersten Blick unwahrscheinliche Ereignisse vorausgesehen, bewertet und dann – falls notwendig – im Voraus deren Auswirkung begrenzt. Insbesondere in meiner Rolle als Vater ist mir die Sicherheit meiner Familie sehr wichtig und deshalb achte ich auf qualitativ hochwertige Produkte. Phoenix Contact ist hier als Überspannungsschutzgeräte-Hersteller mit allen Entwicklungs- und Produktionsschritten am Standort Deutschland ziemlich gut aufgestellt. Gerne zeige ich unseren Kunden und Partnern unser Impuls- und Hochstromlabor oder führe durch unseren Erdungsgarten in Ostwestfalen-Lippe. Das Herz ist unsere Fertigungsstätte in Blomberg – auch hier sind Führungen möglich. 

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