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Im März 2019 wurde das Leitbild 2030 der Plattform Industrie 4.0 formuliert, das auf Souveränität, Interoperabilität und Nachhaltigkeit setzt. Große Worte, bei denen es sich lohnt nachzufragen. Was ist bis heute passiert und wie geht es weiter?

Industrie 4.0 – das ist die Produktion der Zukunft. Alles wird „smart“, nicht nur das „phone“ und die „watch“, auch unser Arbeitsalltag verändert sich im Rahmen der Digitalisierung rasant. Wir halten euch auf dem Laufenden darüber, was die vierte industrielle Revolution eigentlich bedeutet. Anhand von praxisnahen Beispielen, erklären wir, wie wir den Weg der digitalen Transformation Richtung Zukunft beschreiten.

Der Fortschrittsbericht 2020

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist Herausgeber der Broschüre Industrie 4.0 gestalten. In dem Fortschrittsbericht 2020 ist der Zwischenstand zum Leitbild 2030 erläutert. Dieses gibt den inhaltlichen Rahmen vor, um mit Industrie 4.0 die Wettbewerbs- und Widerstandsfähigkeit unserer Industrie zu stärken. Allen, die es eilig haben, kann ich die interaktive Version des Leitbilds 2030 empfehlen. Hier bekommt ihr einen guten Überblick, was unter den drei Begriffen hinsichtlich Industrie 4.0 verstanden wird.

In den drei übergeordneten Handlungssträngen Souveränität, Interoperabilität und Nachhaltigkeit sind deutliche Fortschritte zu verzeichnen.

Freiheit für fairen Wettbewerb

Souveränität: Unabhängige Entscheidungen treffen und digitale Geschäftsmodelle selbstbestimmt im fairen Wettbewerb betreiben.

Logo Projekt GAIA-X

Grundlage dafür ist eine digitale Infrastruktur, die allen Teilnehmern zugänglich ist. Dazu läuft das Projekt GAIA-X. Mit GAIA-X entsteht ein Vorschlag, wie die kommende Generation einer Dateninfrastruktur für Europa aussehen kann. Die sichere und vernetzte Struktur soll Daten und Dienste verfügbar machen. Aktuell beteiligen sich mehr als 300 Organisationen aus sieben europäischen Ländern aktiv an deren Gestaltung. Mit der Ankündigung der Gründung der GAIA-X Foundation wird die Weiterentwicklung und Umsetzung von vielen Akteuren getragen und international auf festen Boden gestellt. Dabei geht es auch um die technische Umsetzung von konkreten Anwendungen, beispielsweise um ein sicheres Identitätsmanagement, um Compliance Regeln oder um Dienste, die die Identität von Datenquelle und Datenempfänger sichern.

Die Projektpartner arbeiten derzeit an der praktischen Umsetzung. Es sind weitere Veröffentlichungen zu der technischen Umsetzung und den praktischen Anwendungsfeldern geplant. Der Kreis der Projektpartner wird im europäischen Raum laufend erweitert. GAIA-X wird die Grundlage bilden für die Umsetzung der Konzepte der Plattform Industrie 4.0 und für das im Leitbild 2030 formulierte Ziel von offenen, digitalen Ökosystemen der Industrie 4.0.

Zusammenarbeit aller Akteure

Interoperabilität: Unternehmen vernetzen sich über Branchengrenzen hinweg und gestalten neue Geschäftsmodelle.

Diese dezentral organisierten Ökosysteme kommunizieren nach vorgegebenen Regeln und Standards. Hier ist vor allem die Arbeitsgruppe „Referenzarchitekturen, Standards und Normung“ der Plattform Industrie 4.0 zu nennen. Die Mitglieder haben z. B. daran gearbeitet, das für die Kommunikation ausschlaggebende Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0 zu entwickeln. Es ist mittlerweile als DIN-Norm und als internationale Vornorm anerkannt. Interoperabilität ist sinnvoll, wenn die Zusammenarbeit in der ganzen Welt funktioniert. Deshalb werden die Referenzarchitekturen aus den USA, Frankreich, Italien, Japan und China abgestimmt und aufeinander ausgerichtet.

Das Konzept der Verwaltungsschale bzw. des digitalen Zwillings wird mehr und mehr in die Praxis überführt. Das zeigen auch unsere Aktivitäten zum Thema digitaler Zwilling. Weitere Projekte für die Umsetzung und Anwendung in der Praxis werden entstehen. Ein Fokus liegt dabei auf der didaktischen Aufbereitung und dem Transfer der Konzepte in die Breite.

Weitere Themen unter der Überschrift Interoperabilität sind rechtliche Rahmenbedingungen in Bezug auf Blockchain-Technologien oder künstliche Intelligenz. Damit die praktische Seite nicht zu kurz kommt, beteiligt sich die Plattform Industrie 4.0 zudem am neuen KI-Reallabor für Automation und Produktion in Lemgo.

Gesellschaftliche Werte sichern

Nachhaltigkeit: Industrielle Wertschöpfung sichert langfristig Arbeitsplätze, fördert Mitbestimmung und rückt Umwelt- und Klimaschutz in den Fokus.

Themen der Nachhaltigkeit von Industrie 4.0 sind gute Arbeit und Bildung, Klimaschutz und zirkuläre Wirtschaft sowie gesellschaftliche Teilhabe. Änderungen, die mit Industrie 4.0 einhergehen, werden einen großen Teil unserer Gesellschaft betreffen. Deshalb fokussieren sich Bildungsverantwortliche auf Fragen zu agilem Arbeiten, künstlicher Intelligenz und Lernkultur. Wie werden Arbeit und Weiterbildung in der Industrie 4.0 organisiert? Wie werden gute Arbeitsbedingungen und hohe Zufriedenheit erreicht? Konkrete Erfahrungen aus Industrieunternehmen sollen Impulse setzen und Diskussionen anregen. Vortragsreihen und Konferenzen sowie zahlreiche Publikationen und Kooperationen dienen der gemeinsamen Gestaltung des Wandels.

Vor allem Kooperationen sollen in naher Zukunft vermehrt zustande kommen. Dabei soll die Praxisnähe in den Fokus rücken und die gesellschaftliche Teilhabe im Dialog mit einer breiten Bevölkerung verstärkt werden. Beim Klimaschutz zeigen vor allem Beispiele aus Unternehmen, wie Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit führen kann.

Anwendungsbeispiele finden

Industrie 4.0 Landkarte der Plattform Industrie 4.0

Wer nach Beispielen rund um Industrie 4.0 schauen möchte, ist mit der Industrie 4.0 Landkarte gut beraten. Hier sind derzeit über 370 konkrete Umsetzungen zu allen Themen zu finden.

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